IFA 2026: KI wird physisch – und der Wettbewerb um das vernetzte Zuhause verschärft sich

Künstliche Intelligenz und Robotik gehören zu den zentralen Themen der IFA 2026 in Berlin. IFA-Chef Leif Lindner sieht insbesondere „Physical AI“ als eine der Technologien, die zunehmend in den Alltag einziehen. Bildquelle/Credit: IFA Management GmbH / IFA Berlin.

  • KI wird physisch: On-Device AI, Robotik und kontextbezogene Systeme ziehen in immer mehr Alltagsgeräte ein.
  • Ökosysteme werden wichtiger: Smartphone, Smart Home, Mobilität, Energie und Haushaltsgeräte wachsen technologisch zusammen.
  • China erhöht den Wettbewerbsdruck: Mehr als 900 chinesische Unternehmen sind laut rbb24 auf der IFA 2026 vertreten.
  • Deutschland bleibt ein schwieriger Markt: Der Home-Electronics-Umsatz sank im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro.
  • Local-First und Interoperabilität gewinnen an Gewicht: Matter, Thread, Zigbee und lokale KI-Verarbeitung werden stärker als Systemthemen positioniert.
  • Nicht jede Neuheit ist marktreif: Wi-Fi 8 und einige KI-/Robotik-Anwendungen zeigen bereits Technologien, deren Standards oder kommerzielle Umsetzung noch vor ihnen liegen.

(NACHRICHTEN) BERLIN, 4-Sep-2026 — /EuropaWire/ — Auf der IFA 2026 in Berlin verschiebt sich der Schwerpunkt von einzelnen „smarten“ Produkten hin zu intelligenten Systemen, die ihre Umgebung verstehen, Entscheidungen lokal treffen und über Geräteklassen hinweg zusammenarbeiten sollen. Künstliche Intelligenz zieht in Haushaltsgeräte, PCs, Kopfhörer, Brillen, Fahrzeuge und Roboter ein, während chinesische Technologieanbieter mit immer breiteren Ökosystemen in den europäischen Markt drängen. Für Deutschland und die DACH-Region trifft diese Innovationswelle allerdings auf preissensible Verbraucher und einen rückläufigen Markt – wodurch praktischer Nutzen, Energieeffizienz, Datenschutz und Interoperabilität wichtiger werden als technische Spezifikationen allein.

Von der Funkausstellung zur Plattform für „Physical AI“

Als die IFA am 4. September ihre Hallen für Fach- und Privatbesucher öffnete, war das zentrale Technologiethema bereits nach zwei Media Days klar: Künstliche Intelligenz ist auf der Messe kaum noch als eigenständige Produktkategorie zu verstehen. Sie wird vielmehr zur Steuerungsschicht für eine wachsende Zahl von Alltagsgeräten.

IFA-Chef Leif Lindner beschrieb zum Auftakt eine Entwicklung, bei der KI nicht mehr nur Inhalte generiert oder digitale Aufgaben löst, sondern zunehmend in der physischen Welt agiert. Kleinere und energieeffizientere Modelle wandern direkt in Smartphones, Fahrzeuge, Haushaltsgeräte und andere Produkte. Die IFA selbst nennt neben KI insbesondere Robotik und Wearables als zentrale Wachstumsfelder. Nach Daten der GFU Consumer & Home Electronics wuchs der weltweite Markt für technische Konsumgüter und langlebige Güter – ohne Nordamerika und Russland – im ersten Halbjahr 2026 nominal um sechs Prozent auf 430,5 Milliarden US-Dollar; währungsbereinigt lag das Plus allerdings nur bei 2,4 Prozent.

Diese Entwicklung erklärt, warum die Messe 2026 auffallend stark von Begriffen wie „Personal AI“, „On-Device AI“ und „Physical AI“ geprägt ist. AMD stellte seine Eröffnungs-Keynote am Freitag unter das Thema „The Era of Personal AI“. Am Samstag soll der deutsche Robotikhersteller NEURA Robotics wiederum über ein europäisches Ökosystem für „Physical AI“ sprechen. Ergänzt wird das Programm durch humanoide Roboter, den RoboCup und „Robots on the Runway“, bei dem verschiedene Roboterplattformen ihre Bewegungs- und Interaktionsfähigkeiten zeigen. Weitere Informationen bietet das offizielle IFA-Programm.

Der entscheidende Prüfstein heißt Alltagsnutzen

Hinter der technologischen Aufbruchstimmung steht allerdings ein schwieriger deutscher Absatzmarkt. Nach Angaben der GFU wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 technische Konsumgüter im Wert von 20,6 Milliarden Euro verkauft. Das waren 2,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Consumer Electronics gingen um 3,2 Prozent zurück, Elektro-Großgeräte sogar um 5,1 Prozent. Lediglich Elektro-Kleingeräte legten mit vier Prozent zu.

Auffällig ist dabei eine Beobachtung der Branchenorganisation: Produktgruppen, die einen klar erkennbaren Nutzen durch Komfort oder Unterstützung im Alltag bieten, verzeichneten teilweise zweistellige Wachstumsraten. Gleichzeitig steigt die Preissensibilität. Die sieben wichtigsten Aktionszeiträume des Handels machen inzwischen innerhalb von nur 15 Wochen rund 37 Prozent des deutschen Jahresumsatzes aus. Die vollständige Marktauswertung ist bei der GFU abrufbar.

Auch die klassische Unterhaltungselektronik steht unter Druck. Der Digitalverband Bitkom erwartet für Fernseher, Audiogeräte, Digitalkameras und andere Unterhaltungselektronik 2026 in Deutschland einen Umsatz von rund 7,6 Milliarden Euro – 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr und bereits das sechste rückläufige Jahr seit dem Pandemiehoch von 2020. Die Einschätzung ist in der Bitkom-Analyse zur Consumer Technology 2026 dokumentiert.

Damit erhält ein häufig wiederholter Satz auf der diesjährigen IFA wirtschaftliche Bedeutung: Nicht die Zahl neuer Funktionen entscheidet, sondern ob Nutzer darin einen konkreten Mehrwert erkennen. Genau dieses Spannungsfeld zwischen technisch Möglichem und tatsächlich Kaufwürdigem zieht sich durch nahezu alle wichtigen Produktkategorien der Messe.

Haushaltsgeräte beginnen, Situationen selbst zu interpretieren

Besonders sichtbar ist der Wandel bei den traditionell starken europäischen Hausgeräteherstellern. Siemens zeigt beispielsweise einen Backofen, der nach Unternehmensangaben mehr als 100 Gerichte automatisch erkennen und bevorzugte Rezepte speichern kann. Hinzu kommt ein Waschtrockner, der Wärmepumpentechnik in ein kombiniertes Gerät integriert.

Bosch verknüpft unterdessen Heiztechnik und Smart Home enger miteinander. Bosch- und Buderus-Wärmepumpen sollen mit intelligenten Heizkörperthermostaten so zusammenspielen, dass Wärme stärker am tatsächlichen Bedarf einzelner Räume orientiert erzeugt wird. Miele zeigt mit dem G8 Diamond einen Geschirrspüler, der Beladung und Geschirrarten erkennen und das Programm entsprechend anpassen soll. Ergänzend präsentiert das Unternehmen einen KI-basierten Kochassistenten sowie die Konzeptstudie „Cary“, bei der Sensoren und KI Textilien identifizieren und daraus Waschparameter ableiten sollen.

AEG verfolgt eine ähnliche Richtung mit stärker automatisierten Koch- und Haushaltsabläufen. Auf der IFA gehört dazu unter anderem ein Kochfeld mit einer OnePot-Pasta-Funktion, die einzelne Schritte der Zubereitung automatisiert. Liebherr wiederum verbindet neue Kühlgeräte mit zusätzlichen Funktionen seiner SmartDevice-Plattform und legt dabei gleichzeitig Wert auf Energieeffizienz.

Der gemeinsame Nenner ist nicht, dass Haushaltsgeräte plötzlich „KI-Geräte“ genannt werden. Interessanter ist vielmehr, dass Sensorik und Software zunehmend Entscheidungen übernehmen, die bisher beim Nutzer lagen: Was befindet sich im Gerät? Welches Programm ist sinnvoll? Wann wird Wärme benötigt? Wie lässt sich ein Prozess energieeffizienter ausführen?

China zeigt nicht mehr nur Produkte, sondern ganze Technologie-Welten

Mindestens ebenso bedeutend wie die einzelnen Innovationen ist auf der IFA 2026 die Verschiebung der internationalen Wettbewerbsverhältnisse. Nach einer Auswertung von rbb24 sind 928 Unternehmen aus China auf der diesjährigen Messe vertreten, hinzu kommen 84 aus Hongkong. Deutschland kommt demnach auf 201 Aussteller, Japan lediglich auf fünf.

Die Zahlen allein sagen noch nichts über Marktanteile oder technologische Qualität aus. Sie zeigen aber, wie stark chinesische Hersteller die IFA inzwischen als Plattform für ihre Expansion in Europa nutzen. Anders als in früheren Jahren treten viele dieser Unternehmen zudem nicht mehr mit einzelnen günstigen Alternativprodukten auf. Sie bauen umfassende Portfolios auf, die Smartphones, Haushaltsgeräte, Energietechnik, Fahrzeuge, Robotik und Smart Home miteinander verbinden.

Das sichtbarste Beispiel ist Xiaomi. Das Unternehmen ist erstmals mit einem großen eigenen IFA-Auftritt vertreten und zeigt nach Angaben der Messe mehr als 380 Produkte. Unter der Strategie „Human × Car × Home“ sollen Smartphones, vernetzte Haushaltsprodukte und intelligente Fahrzeuge über KI enger miteinander verbunden werden. Die Messe fasst den Auftritt in ihrer Übersicht zu den Media Days zusammen.

XPENG geht noch weiter über klassische Consumer Electronics hinaus und zeigt neben einem intelligenten Elektrofahrzeug den humanoiden Roboter IRON sowie ein modulares Flugauto-Konzept. Dreame wiederum demonstriert, wie chinesische Smart-Home-Anbieter ihre Kategorien verbreitern: Neben Reinigungsrobotern und Haushaltslösungen präsentiert das Unternehmen inzwischen auch Beauty-, Körperpflege- und Haustierprodukte.

Für europäische und insbesondere DACH-Anbieter entsteht damit eine neue Form des Wettbewerbs. Es geht zunehmend weniger um „Fernseher gegen Fernseher“ oder „Staubsauger gegen Staubsauger“, sondern darum, wer möglichst viele Geräte und Dienste in einem überzeugenden Ökosystem zusammenführen kann.

Der rbb verweist zugleich auf die wirtschaftspolitische Dimension dieser Entwicklung. Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft erkennt die Fortschritte chinesischer Unternehmen bei Forschung und Innovation an, verweist aber auch auf staatlich beeinflusste Kostenvorteile. GFU-Geschäftsführerin Carine Chardon ordnet die stärkere internationale Expansion zudem vor dem Hintergrund schwächerer Nachfrage und hoher Produktionskapazitäten in China ein. Die IFA wird damit nicht nur zur Neuheitenschau, sondern auch zu einem sichtbaren Schauplatz des globalen Wettbewerbs um den europäischen Technologiekunden.

Smart Home wird vom Gerätegeschäft zum Ökosystemgeschäft

Im Smart Home zeichnet sich parallel ein grundlegender Wandel ab. Die Frage lautet zunehmend nicht mehr, ob ein Gerät per Smartphone steuerbar ist. Wichtiger wird, wie zuverlässig verschiedene Produkte und Standards miteinander arbeiten, welche Prozesse lokal statt in der Cloud laufen und wie viel Kontrolle Nutzer über ihre Daten und Automatisierungen behalten.

Das Marktpotenzial dafür ist in Deutschland erheblich. Nach einer repräsentativen Bitkom-Umfrage zum Smart Home nutzen inzwischen 52 Prozent der Bevölkerung Smart-Home-Anwendungen. 2022 waren es noch 43 Prozent. Bei den 16- bis 29-Jährigen liegt der Anteil bereits bei 73 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen bei 70 Prozent. Bemerkenswert mit Blick auf die IFA-Robotik ist zudem, dass sich 48 Prozent der Befragten grundsätzlich einen humanoiden Roboter im Haushalt vorstellen könnten.

Anker greift auf der IFA diesen Ökosystemgedanken auf und führt verschiedene Marken stärker unter einem gemeinsamen Dach zusammen. Das Unternehmen hebt dabei On-Device AI hervor: Daten sollen direkt auf Geräten verarbeitet werden, was Anwendungen nach Unternehmensdarstellung schneller und datenschutzfreundlicher machen kann. Xiaomi verfolgt mit „Human × Car × Home“ einen noch umfassenderen Ansatz, bei dem sich die Grenzen zwischen persönlicher Elektronik, Fahrzeug und Zuhause auflösen.

In diesem größeren Trend lässt sich auch der IFA-Auftritt von THIRDREALITY einordnen. Der Smart-Home-Anbieter stellt in Berlin ein „Local-First“-Ökosystem vor, das Matter over Wi-Fi, Matter over Thread und Zigbee kombiniert. Gezeigt werden neben Sensoren und anderen Geräten unter anderem eine Zigbee-zu-Matter-Bridge, ein Multiprotokoll-Hub, eine offene Linux-Gateway-Lösung und ein AI Hub, der Automatisierungen und Sprachinteraktion stärker lokal ausführen soll. Die THIRDREALITY-Pressemitteilung zur IFA 2026 beschreibt den Auftritt ausführlich und ist der zentrale Deep Link für Leser, die sich über das angekündigte Local-First-Ökosystem, die unterstützten Protokolle und die gezeigten Gateway-Lösungen informieren möchten.

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz dürfte diese Entwicklung besonders relevant sein. In Märkten, in denen Datenschutz, langfristige Geräteunterstützung und die Kompatibilität mit bereits vorhandener Haustechnik eine wichtige Rolle spielen, könnte sich neben der Qualität einzelner Produkte zunehmend die Architektur des gesamten Systems als Kaufargument erweisen. Einen Überblick über den offenen Smart-Home-Standard bietet die Connectivity Standards Alliance.

FRITZ! setzt auf Wi-Fi 7 – während Wi-Fi 8 schon vor seiner Fertigstellung auftaucht

Auch bei der Netzwerktechnik liefert die IFA einen interessanten Kontrast zwischen marktreifer Infrastruktur und frühem Technologievorlauf.

Der Berliner Anbieter FRITZ! präsentiert zum 40-jährigen Firmenjubiläum eine neue Generation seiner FRITZ!Box. Mittelpunkt ist die FRITZ!Box DSL/Fiber 7-90 für Glasfaser und DSL mit Tri-Band-Wi-Fi 7. Hinzu kommen neue Modelle für Glasfaser und 5G, der Quad-Band-Repeater 6700 Pro und FRITZ!OS 8.50. Die bereits gestartete FRITZ!Box 6690 Pro verbindet Tri-Band-Wi-Fi 7 am Kabelanschluss mit Smart-Home-Unterstützung über Zigbee und DECT. Die technischen Details stehen in der FRITZ!-Presseinformation zur neuen Gerätegeneration.

Während Wi-Fi 7 also im Markt ankommt, zeigt TP-Link in Berlin bereits den Archer 8 Ultra und das Mesh-System Deco 8 Ultra als erste Vertreter einer Wi-Fi-8-Generation. Technologisch ist das interessant, verlangt aber eine wichtige Einordnung: IEEE 802.11bn, auf dem Wi-Fi 8 basieren soll, ist noch nicht als endgültiger Standard verabschiedet. Nach einem Bericht des deutschen Fachportals inside digital wird mit der Fertigstellung erst 2028 gerechnet; Preis und regulärer Marktstart der gezeigten Geräte waren zum Messeauftakt ebenfalls noch offen.

Damit zeigt die IFA zugleich zwei unterschiedliche Arten von „Innovation“: Produkte, die unmittelbar in den Handel gehen, und frühe Hardware, die einen Ausblick auf Standards der nächsten Jahre geben soll. Für Verbraucher im DACH-Raum ist diese Unterscheidung wesentlich – insbesondere bei langlebiger Netzwerktechnik. Der aktuelle Standardisierungsstand lässt sich beim IEEE 802.11 Working Group nachvollziehen.

Fernseher werden Teil des Raums statt nur größer und heller

Auch bei Fernsehern bleibt die technische Entwicklung dynamisch, doch die Hersteller suchen zunehmend nach Differenzierung jenseits klassischer Größen- und Helligkeitsrekorde.

TP Vision zeigt bei Philips Ambilight TV unter anderem das 85-Zoll-Modell MLED981 mit RGB-Mini-LED-Technologie. Gleichzeitig wird mit „AmbiScape“ das bekannte Ambilight-Prinzip über den Fernseher hinaus erweitert: Die Lichtsteuerung soll weitere Beleuchtung im Raum einbeziehen. Für die erste Jahreshälfte 2027 plant TP Vision laut dem Schweizer Fachmedium PCtipp zudem Unterstützung für Matter over Thread.

Das ist symptomatisch für eine Entwicklung, die sich auch in anderen IFA-Bereichen beobachten lässt: Ein Fernseher, Lautsprecher oder Haushaltsgerät wird weniger als isoliertes Endgerät verstanden, sondern als Bestandteil des vernetzten Wohnraums.

AI Glasses könnten zur neuen Bedienoberfläche werden

Einen anderen Blick auf die Mensch-Maschine-Schnittstelle bietet ein gemeinsamer IFA-Showcase von Meta, CUPRA, der 1SP Agency und XR Creator Con. Dabei werden AI Glasses, Computer Vision und multimodale KI eingesetzt, um Fragen zu einem physischen Produkt anhand dessen zu beantworten, was der Nutzer gerade betrachtet. Die offizielle Ankündigung ist im IFA-Pressebereich abrufbar.

Demonstriert wird das Prinzip am CUPRA Raval: Die Brille soll den visuellen Kontext erkennen, Sprache und Hinweise wie einen Fingerzeig einbeziehen und mit hinterlegtem Produktwissen verbinden. Statt ein Handbuch oder eine App zu öffnen, könnte der Nutzer beispielsweise auf ein Bauteil schauen und direkt danach fragen. Die IFA beschreibt das ausdrücklich als Showcase für ein breiteres Interaktionsprinzip, das später auch auf Haushaltsgeräte, Consumer Electronics, Maschinen oder Serviceprozesse übertragen werden könnte.

Der Demonstrator ist noch kein Beleg dafür, dass solche Brillen kurzfristig Smartphone oder Display ersetzen. Er zeigt aber, wohin sich multimodale KI entwickeln könnte: weg von einer rein textbasierten Frage-Antwort-Schnittstelle und hin zu Systemen, die zusätzlich verstehen, worauf ein Mensch gerade blickt und in welchem räumlichen Kontext eine Frage gestellt wird.

Roboter lernen neue Handgriffe – vom Rasen bis zum humanoiden Assistenten

Robotik gehört zu den sichtbarsten Themen der Messe. Neben humanoiden Demonstratoren geht es dabei zunehmend um unspektakuläre, aber kommerziell greifbarere Verbesserungen bestehender Haushaltsroboter.

Segway Navimow zeigt beispielsweise den Mähroboter H5 Pro. Dessen ausfahrbarer „EdgeMaestro“-Messerarm soll Gras bis zum Rand schneiden und damit einen Arbeitsschritt übernehmen, für den bei vielen bestehenden Robotern weiterhin ein Rasentrimmer benötigt wird. Wie Golem.de aus Berlin berichtet, besteht die Innovation hier weniger in einer neuen Roboterkategorie als in der zusätzlichen mechanischen Fähigkeit eines bereits etablierten Gerätetyps.

Genau diese Entwicklung dürfte für den Robotikmarkt kurzfristig mindestens ebenso relevant sein wie spektakuläre humanoide Prototypen: Roboter erhalten mehr Sensoren, bewegliche Werkzeuge und bessere Umgebungsmodelle, um einzelne reale Aufgaben vollständiger auszuführen.

Gleichzeitig setzt die IFA bewusst auch auf die langfristige Perspektive. RoboCup-Demonstrationen und die Präsentation verschiedener humanoider Plattformen sollen zeigen, wie maschinelle Wahrnehmung, Bewegung und KI zusammenwachsen. Die für den 5. September angekündigte Keynote von NEURA Robotics rückt dabei ausdrücklich die Frage in den Mittelpunkt, ob Europa ein eigenes industrielles Ökosystem für Physical AI aufbauen kann. Das IFA-Programm zur NEURA-Keynote liefert weitere Informationen.

Energieeffizienz bleibt wichtig – auch wenn KI die Schlagzeilen bestimmt

Bei aller Aufmerksamkeit für KI und Robotik bleibt Energieverbrauch ein entscheidendes Thema. Auf der Messe zeigt sich das weniger in einer einzelnen spektakulären Technologie als in zahlreichen Produktentscheidungen: Wärmepumpentechnik bei Waschtrocknern, bedarfsgesteuerte Heizsysteme, effizientere Kühlung und lokale, kleinere KI-Modelle, die nicht für jede Interaktion auf entfernte Rechenzentren angewiesen sein müssen.

Für europäische Hersteller kann dies zu einem wichtigen Differenzierungsfeld werden. Die GFU verweist darauf, dass Verbraucher Geräte zunehmend länger nutzen und zugleich bereit sind, für Innovationen zu bezahlen, wenn diese Leistung, Komfort oder Energieeffizienz nachvollziehbar verbessern. Die entsprechenden Marktdaten finden sich in der GFU-Auswertung zum ersten Halbjahr 2026.

Was die IFA 2026 für den DACH-Markt bedeutet

Aus den ersten Messetagen lässt sich noch nicht ableiten, welche der gezeigten Produkte kommerziell erfolgreich sein werden. Einige Technologien sind serienreif, andere sind Demonstratoren oder Vorboten noch nicht abgeschlossener Standards. Dennoch zeichnet sich eine klare Richtung ab.

Erstens wird KI zunehmend unsichtbarer. Statt eines separaten Chatbots wird sie Teil von Backofen, Waschmaschine, Router, Kopfhörer, Brille, Fahrzeug oder Roboter. Entscheidend wird deshalb weniger sein, ob ein Hersteller „AI“ auf ein Produkt schreibt, sondern ob die Technologie eine konkrete Aufgabe zuverlässiger, schneller oder sparsamer erledigt.

Zweitens verschiebt sich der Wettbewerb vom einzelnen Gerät zum Ökosystem. Xiaomi, Anker und andere Anbieter bauen Gerätewelten auf, während Smart-Home-Spezialisten über Matter, Thread, Zigbee und Local-First-Architekturen Interoperabilität versprechen. Gleichzeitig entwickeln Anbieter wie FRITZ! klassische Netzwerkinfrastruktur zunehmend zur Steuerungsplattform für das digitale Zuhause.

Drittens verstärkt die massive Präsenz chinesischer Anbieter den Wettbewerbsdruck in Europa. Für etablierte DACH-Marken reichen Markenbekanntheit und technische Qualität allein möglicherweise nicht mehr aus, wenn Wettbewerber zugleich Smartphone, Haushaltsgerät, Energieprodukt, Fahrzeug und Robotik in ein gemeinsames System integrieren können.

Und viertens trifft diese technologische Beschleunigung auf einen deutschen Markt, in dem Verbraucher weiterhin zurückhaltend und preissensibel sind. Gerade deshalb könnte sich die zentrale Botschaft der IFA 2026 am Ende als erstaunlich nüchtern erweisen: Erfolgreich wird nicht automatisch die technisch spektakulärste Innovation, sondern jene, deren Nutzen sich im Alltag erklären und erleben lässt.

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